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HauptautorRoy Strzeletz
MitautorenSacha Koch, Ramon Lahmer, Daniel Müller
MedientypPDF-Dokument
PublikationsartVortrag
Erscheinungsjahr2017
Verlag26. EVU Conference, Haarlem

Bei der Analyse von Unfällen zwischen Pkw und Radfahrern wurde mangels Datenbasis und näherer Analyse viele Jahre lang davon ausgegangen, dass die Kinematik beim Zusammenstoß etwa der beim Unfall zwischen Pkw und Fußgänger entspricht. Während bereits Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre an der TU Berlin Versuche mit stehend angestoßenem Radfahrer durchgeführt wurden, blieben Versuche mit bewegtem Radfahrer die Ausnahme. Betrachtet man bei den Versuchen mit bewegtem Radfahrer den bis dato fast ausnahmslos verwendeten Versuchsaufbau, bei dem ein Radfahrer-Dummy in einem Schlitten zunächst beschleunigt und dann durch das Abbremsen des Schlittens freigegeben wird, sieht man nicht nur Probleme bei der Positionierung des Dummys. In nicht wenigen Fällen kippt der Radfahrer-Dummy vor dem eigentlichen Anstoß zur Seite und beeinflusst auf diese Weise die Kinematik und andere zu untersuchende Parameter. Diese Probleme waren der Ausgangspunkt für die Entwicklung einer Fahrrad-Crashanlage, bei der der Dummy mittels eines Geschirrs, wie es beim alpinen Klettern verwendet wird, von oben gehalten und mit dem Fahrrad zusammen beschleunigt wird. Geschirr und Fahrrad sind mit einem Schlitten verbunden, der in einer Schiene läuft. Der Fahrrad-Dummy wird i.d.R. erst unmittelbar vor dem Anstoß freigegeben, so dass er bis zur Kollision die geplante Sitzhaltung beibehält. Der Antrieb erfolgt über ein umlaufendes Seil, das von einem Motor angetrieben wird. Die Anlage ist weitgehend mobil. Problematisch ist derzeit noch die Synchronisierung von Radfahrer und Pkw, an der jetzt im Rahmen einer Masterthesis gearbeitet wird. Das Konzept der Anlage und Ergebnisse von ausgewählten Beispielversuchen werden im Rahmen dieses Beitrags vorgestellt. Seit 2014 wurden 19 Versuche mit bewegtem Radfahrer und bewegtem Pkw durchgeführt und ausgewertet. In einer Versuchsreihe wurden dabei baugleiche Fahrräder verwendet, um den Einfluss der Fahrzeugfront auf die Kinematik zu untersuchen. Es werden zum einen die Parameter Längs- und Querwurfweite mit den Ergebnissen früherer Versuche von stehend angestoßenen Dummys verglichen. Zum anderen wird auf die vom Fußgängerunfall bekannten Größen Beulenversatz und Aufwurfweite eingegangen. Außerdem werden Anstöße gegen die geöffnete Pkw-Tür und Kollisionen zwischen zwei Radfahrern untersucht.

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